Mutter Heimat

Ein russisches Denkmal in Wolgograd
– in Warstein ein Balanceakt –

Es ist Teil meiner Kunst andere Kunstwerke, Menschen oder Denkmäler mit meinen „Schattenschnitten“ zu interpretieren. Meine bekannteste Arbeit ist hier sicherlich das Hermannsdenkmal. Mit wenigen Strichen ein Werk so zu interpretieren, dass Betrachter es sofort erkennen, ist schon etwas Besonderes. Vor allem da ja der Schatten einer Figur oftmals gar nicht wahrgenommen wird.

Die Idee zu diesem Objekt kam mir bei der Betrachtung einer Fernsehdokumentation zum 75jähren Ende des 2. Weltkriegs. Die Figur erinnert stark an die „Marianne mit Tricolore“ auf den Barrikaden der französischen Revolution.

Es geht hier um das Erinnern an die Gefallenen des Weltkriegs und ursprünglich auch um den Sieg über Nazideutschland. Doch in dem Bericht besuchten sich ein russischer und deutscher Soldat die damals gegeneinander kämpften. Sie zeigt sich gegenseitig ihre Heimat. Als beide „im Schatten“ dieser Monumentalfigur gemeinsam weinten war es einfache, schlichte Versöhnung. Ohne Vorwurf, ohne Erwartung, ohne Wertung. Gemeinsam trauern, jeder für sich und um seine Lieben, doch gemeinsam und tief mit einander verbunden. Im ganzen Wissen um das Geschehe.

Mutter Heimat ruft

Die „Mutter Heimat“ auf einem balancierenden Granitblock erinnert daran, dass das Gedenken an Kriegsgefallene (gerade in Zeiten von Political Correctness oft ein „Balance Akt“ ist. Es ist nicht leicht den eigenen Toten zu gedenken, ohne dabei gleichzeitig den ehemaligen Feind zu erniedrigen. Versöhnung mit dem Wissen des Geschehenen muss das Ziel sein. Dass so etwas möglich ist, zeigen z.B. die Teilnahme deutscher Repräsentanten an den Feierlichkeiten zum D-Day in der Normandie. Und die zwei Veteranen aus der Dokumentation.

Hans Kordes