Albert Schulenburg

Albert Schulenburg
Teilhaber von Carl Röper & Söhne

In die Wirren des Zusammenbruchs der Firma Carl Röper & Söhne in Allagen gerät der Rechtsanwalt Albert Schulenburg aus Lippstadt. Er ist als Teilhaber an den Unternehmungen des Victor Röper von dessen Insolvenz unmittelbar betroffen.

In der Sache Röper werden zunächst drei Konkursverfahren eröffnet, über das Privatvermögen des Victor Röper, über das Vermögen der Firma Carl Röper & Söhne und über das Vermögen einer offenen Handelsgesellschaft. Die beiden letzteren Verfahren werden schließlich zusammengefasst.

Auch Albert Schulenburg, der einer angesehenen Gerberfamilie aus Soest entstammt und in Lippstadt ein Anwaltsbüro betreibt, ereilt als Teilhaber an der Handelsgesellschaft Carl Röper & Söhne auf Betreiben einzelner Gläubiger der private Konkurs.

Nach der Konkurseröffnung läßt Schulenburg im November 1860 sein Anwaltsmandat für zunächst ein Jahr ruhen.

Bekanntmachung im Patriot vom 20. Februar 1861

Ein gewisser Rechtsassessor Benjamin Becker vertritt nun die anwaltlichen Belange des Albert Schulenburg. All diese Informationen lassen sich einer amtlichen Bekanntmachung im Patriot vom 20. Februar 1861 entnehmen.

Wer ist Justizrat Albert Schulenburg

Georg Albert Bernard Schulenburg wird am 26.08.1802 in Soest als fünftes von acht Kindern des Gerhard Schulenburg und der Anna Maria Elisabeth Plange geboren. Diese sind die Nachkommen einer angesehenen Gerberfamilie zu Soest. Sein jüngster Bruder Heinrich ist übrigens von 1837 bis 1857 Bürgermeister zu Soest.

Er beschritt das Studium der Rechtswissenschaften und wurde am 19.03.1825 am Oberlandesgericht zu Hamm als Auskultator(3) angestellt und als solcher verpflichtet. Bereits 1929 wurde er als Oberlandesgerichtsreferendar bestätigt.

Ernennung 1825 am Oberlandesgericht zu Hamm als Auskultator
Ernennung 1829 am Oberlandesgericht zu Hamm als Gerichtsreferendar

Er wird Justizkommissar, Notar bzw. Anwalt in Lippstadt und verheiratet sich dort am 08.07.1832 mit Caroline Emilie Elisabeth Plange, die am 13.08.1805 in Soest geboren ist. Die Eheleute Schulenburg haben sechs Kinder, die alle in Lippstadt geboren werden.

Kinder Schulenburg:
Agnes Sophia Elise Schulenburg [12.11.1833]
Richard CarlWilhelm Gerhard Schulenburg [19.05.1837]
Albertine Caroline Schulenburg [19.02.1840]
Rudolph Friedrich Georg Eduard Schulenburg [17.06.1841 – 30.07.1919 ]
Edmund Augustus Wilhelm Schulenburg [29.07.1843 – 02.1916]
Gottfried Schulenburg [07.05.1848]

In den hiesigen Archiven finden sich zunächst keine weiteren Angaben.

Die älteste Tochter verheiratet sich mit Hermann Gauwerky, ein Nachkomme bekannter Homöopathen zu Soest, die die Hahnemannsche Methode in der Region einführten.

Von der zweiten Tochter und dem jüngsten Sohn ist bislang nichts näheres bekannt. Es muss angenommen werden, dass diese im Kindesalter verstorben sind.

Anders ist das bei den drei Söhnen Richard, Rudolph und August, die alle in den USA und speziell in Saint Louis im Bundesstaat Missouri ansässig sind. Das bedeutet, dass die Familie des Albert Schulenburg unmittelbar nach dessen Privatkonkurs auswanderte. In den amerikanischen Datenbanken findet man nun einzelne Dokumente, die einen Einblick in das Leben der Schulenburgs dort geben.

Albert Schulenburg stirbt am 02.03.1884 und seine Frau bereits am 12.11.1883 in Saint Louis.

Rudolph gründet eine Familie und betätigt sich in den USA als Rechtsanwalt.

August Schulenburg verheiratet sich am 29.10.1871 mit Adele Mallinckrodt, deren Brüder Gustave, Eduard und Otto im Jahre 1867 das berühmte und auch umstrittene Chemieunternehmen G. Mallinckrodt & Co., gründeten. Die Familie um den Vater Emil Mallinckrodt stammt übrigens aus Dortmund. Adele, die jüngste Tochter von August Schulenburg, ist als Bildhauerin in Missouri und Connecticut bekannt geworden.

Der älteste Sohn Richard heiratet im Jahre 1863 und hat fünf Kinder. Bei ihm knüpfen nun wieder heimische Informationen an, da er etwa im Jahre 1880 mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehrt. Er ist Holzhändler und zu gutem Vermögen gekommen.

Sehr interessant ist die Biopgraphie seines Sohnes Paul Schulenburg, der am 01.11.1871 in Saint Louis geboren wird und am 06.06.1937 in Gera verstirbt.

Haus Schulenburg in Gera

Die Familiengeschichte des Paul, und in gewisser Weise auch die des Großvaters Albert Schulenburg, wird deutlich durch einen Beitrag zu einer Ausstellung „100 Jahre Haus Schulenburg – eine Familien-, Unternehmens- und Kulturgeschichte“, präsentiert von der Europäischen Vereinigung der Freunde Henry van de Veldes e.V. (1)

Dort erfahren wir näheres:

„Der Großvater Paul Schulenburgs, ein angesehener Bürger aus Soest wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie in die USA aus.

Zuvor schenkte er der Stadt Soest einen großen wertvollen Wald. Damit wollte er seine Kinder zwingen, ihr Geld selbst zu verdienen.

Der Vater Paul Schulenburgs kehrte mit Frau und Kindern nach Deutschland zurück, damit seine Kinder eine deutsche Erziehung erhielten. Durch Holzhandel war er in den USA zu Wohlstand gekommen. Paul Schulenburg wurde 1871 in St. Louis / Missouri geboren.

Nach dem Besuch einer Textilfachschule wurde Paul Schulenburg 1895 Prokurist in der Ostthüringer Textilindustrie. 1895 gründete er zusammen mit Alexander Bessler die Wollen- und Seidenweberei Schulenburg & Bessler. Die Firma entwickelte sich schnell zu einem führenden Unternehmen in der Branche mit bis zu 800 Beschäftigten und weltweiten Exporten. Paul Schulenburg erkrankte früh und übergab die Fabrik seinen Söhnen Wolfgang und Richard. 1937 starb Paul Schulenburg. Die Farbrik wurde 1947 enteignet. Die Söhne mit ihren Familien hatten bereits im Sommer 1945 Gera in Richtung Westen verlassen.

Verheiratet war Paul Schulenburg mit Elisabeth Thierbach, einer Gutsbesitzertochter aus Lobeda bei Jena. Schulenburgs hatten fünf Kinder: Wolfgang, Richard, Grunhilde, Adelheid und Joachim.

Elisabeth und Paul Schulenburg ließen sich 1926 scheiden. Wolfgang und Richard blieben beim Vater in Gera, Grundhilde, Adelheid und Joachim zogen mit der Mutter nach Kassel. Joachim blieb im Krieg(2) vermisst, Adelheid ging mit ihrem Mann nach Brasilien. Der Bruch der Familie durch die Scheidung der Eltern und die Enteignung 1947 veränderte die Lebensläufe der Kinder entscheidend: keiner erreichte das ehemalige unternehmerische wirtschaftliche Niveau.“ (1)

Hierzu eine kleine Anmerkung.

Der Versuch einer familienhistorschen Erklärung für eine gewisse Mittellosigkeit der Familie, nämlich

„… schenkte er (Albert Schulenburg) der Stadt Soest einen großen wertvollen Wald. Damit wollte er seine Kinder zwingen, ihr Geld selbst zu verdienen…..“ (1)

scheint doch einer näheren Überprüfung wert zu sein.

Quellen:

(1) Die Europäische Vereinigung der Freunde Henry van de Veldes e.V
„100 Jahre Haus Schulenburg – eine Familien-, Unternehmens- und Kulturgeschichte“

(2) Es existiert ein Verlustdatum zu Joachim Schulenburg, geb. 07.09.1915 vermisst 01.07.1944, Jaszuni / Rudniki bei Wilna

(3) Der Auskultator war in Preußen die erste Stufe der dreistufigen Ausbildung bei der Justiz nach der Universität. Nach einer Auskultatorprüfung (examen pro auscultatura) wurde der geprüfte Kandidat als Auskultator zum Bürodienst in der Justizverwaltung zugelassen. Am Ende der ersten Ausbildungsstufe stand das Referendarsexamen, um als Gerichtsreferendar zugelassen zu werden.