Schullehrer in Amerika

George Schencke Auswanderer aus Allagen, 40 Jahre „Schullehrer“ in Amerika

Seit jeher galten Deutsche, die nach Amerika einwanderten als zuverlässige Soldaten, versierte Handwerker und fleißige Bauern, aber auch als ausgesprochen eigenwillige Mitbürger, die gerne unter sich blieben. Bereits Benjamin Franklin hatte 1753 bemerkt: „Wenige ihrer Kinder im Land lernen Englisch.“

Auch noch in der Zeit um 1850 war die Frage nach der Integration von Einwanderen die gleiche, wie die Geschichte einer Auswandererfamilie aus Allagen zeigt.

Familie Schencke im Dorfe Allagen

Am 27.12.1796 wird Anna Maria Margaretha Theodora ger. Dorothea Ferber im Stammhaus der Familie am Stukenweg in Allagen geboren. Sie ist die vierte Tochter von insgesamt acht Kindern der Eheleute Thomas Ferber gen. Alteschlup und Elisabeth Dröge. Dorothea geht am 15.10.1818 mit Gaudens Schencke die Ehe ein. Die Schwiegereltern, Jacob Schenke, der aus Echtrop stammt, und Clara Grafenschäfer, sind bereits verstorben. Der Bruder des Gaudens, Joseph Schencke gen. Neithe, bewohnt mit seiner Familie ein kleines Haus, evtl. das Stammhaus Schencke, welches unmittelbar auf der heutigen Einmündung des Kirchweg auf die Dorfstraße stand.

Gaudens und Dorothea bekommen in den Folgejahren acht Kinder, von denen lediglich vier das Erwachsenenalter erreichen.

Dorotheas jüngere Schwester Francisca hatte sich bereits 1816 mit Georg Schröer aus Uelde verheiratet.

Die beiden Schwestern bewohnen mit ihren Familien ein kleines Doppelhaus in Allagen und zwar an der Ecke Viktor-Röper Straße und Dorfstraße, da wo bis heute Nachfahren der Familie Gosmann gen. Schenke leben und sinnigerweise die Gaststätte mit dem Namen Dorfschenke betrieben.

Angesicht der schlechten Lebensbedingungen in der Heimat und angespornt von mehreren Auswanderungswellen entschließen sich viele Familien zur Auswanderung nach Amerika.

Auch Theodor, der zweite Sohn von Gaudens und Dorothea Schenke, wagt als erster der Familie sein Glück. Er verheiratet sich bereits im September 1846 in Amerika mit Ernestine Francisca Schencke, die aus Anröchte stammt. Es existiert trotz der Namensgleichheit kein Verwandschaftsverhältnis, was übrigens den Ahnenforschern in Amerika große Probleme bereitet hat.

Die Mutter Dorothea stirbt am 02.05.1851 in Allagen.

Noch im selben Jahr heiratet der älteste Sohn Ferdinand in Allagen die Anna Gertrud Saecker aus dem Kirchspiel Körbecke, wohl auch um die Hausstätte zu übernehmen. Deren erstes Kind wird im Februar 1853 noch in Allagen zur Taufe getragen. Das zweite Kind erblickt bereits im November des Jahres 1855 in Vanderburgh County Indiana das Licht der Welt. Dieses war wohl auch der Zeitpunkt, zu dem der Rest der verbliebenen Familie Allagen verläßt. So machen sich der Wittwer Gaudens Schencke und seine drei Kinder, sein Sohn Ferdinand, seine Tochter Maria Anna Catharina später Mary Ann gerufen und der jüngste Sohn Johannes Georgius, später George genannt, auf den mühevollen Weg in die neue fremde Heimat.

Gaudens Schencke, Stammvaters der Schenk Sippen

Die Familie siedelt in Indiana im Großraum Vanderburg Evansville, wie bereits unzählige Familien aus dem heimischen Raum auch.

Übrigens, die langen Überfahrten gestalten sich häufig als wahrer Heiratsmarkt. So heiratet Mary Ann Schenk bereits im Februar 1854 in Vanderburgh den Franz Humpert aus Körbecke, ebenfalls ein Auswanderer.

Der Familienname Schencke wird in den folgenden Jahren Schritt für Schritt an die neue Situation angeglichen, so dass die weiteren Nachkommen den Namen Schenck bzw. Schenk führen.

Für Gaudens Schencke ist das Abenteuer Amerika bereits am 19.07.1855 beendet, er verstirbt und wird in der fremden Erde beigesetzt. Er erwirbt sich dort den Ruf des Stammvaters der Schenk Sippen. Sein Grab und weitere Gräber der Familie existieren noch heute.

Grabstätte des Gaudens Schencke, geb. 30.04.1789 in Allagen, gest. 19.07.1855, auf dem Saint Philip Church Cemetery, Saint Philip Posey County, Indiana, USA

Gaudens hinterläßt bis dahin drei verheiratete Kinder, die bereits Familien gegründet haben und bis heute eine große Nachkommenschaft nachweisen können.

Der Schullehrer Schenk

Wenden wir uns nun seinem jüngsten Sohn Johannes Georgius ger. George zu. Der im Alter von etwa 18 Jahren Allagen verlassen hat und in der neuen Welt als Lehrer tätig wird. Er verheiratet sich im Februar 1861 in der St. Philip Catholic Church Mt. Vernon Indiana mit Elisabeth Schmitt aus Ohio und hat mit ihr vier Kinder. Sie stirbt bereist 1870 im Kindbett, ebenso das Neugeborene.

Gorge heiratet erneut im Januar 1877 die Margret Schröpfer aus Bayern. Es folgen zehn weitere Kinder dieser Ehe.

Die Eheleute Schullehrer George Schenk und zwei ihrer Kinder

Die Überlieferungen nennen ihn bis zu seinem Tode „Schullehrer Schenk“.

Er beginnt demnach unmittelbar nach der Ankunft seine Tätigkeit als Lehrer in dem einfachen einstöckigen Schulgebäude, welches von der katholischen Kirchengemeinde St. Philips eingerichtet und geführt wird. Schullehrer Schenk unterrichtet noch 40 Jahre später, dann jedoch in einer wesentlich moderneren Einrichtung.

Das neue Schulgebäude als Ziegelbau befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur katholischen Kirche der St. Philips Kirchengemeinde.

Schullehrer George Schenk ist am 15.02.1894 verstorben und ruht nun auf dem Kirchenfriedhof nur einige Meter von dem Schulhaus entfernt, in welchem er sein gesamtes Leben gewirkt und gearbeitet hat.

Die große Nachkommenschaft seiner Familie ist gut beschrieben.

Zu Ende der 1980er Jahre ist LaVern Schenk, einer seiner Enkel, zusammen mit seiner Frau Betty Ann, zu einem Besuch in Allagen, um die Familienwurzeln zu ergründen.

Besuch der Eheleute LaVern und Betty Ann Schenk aus West Palm Beach Florida bei Familie Kaspar Ferber

Es hatte sich zuvor ein Briefkontakt mit Irene Schenk der Schwester des LaVern Schenk ergeben. Diese ist als Benediktinerschwester Mellita Schenk in den Orden eingetreten und als Gründungsmitglied der Our Lady of Grace Academy, Beech Grove, Indiana bekannt geworden. Sie starb im Mai.2003 im Alter von 90 Jahren. Sie war, wie es in der Familie Schenk so ist, das älteste von elf Kindern. Sie lehrte mehr als 58 Jahre lang Musik an den katholischen Schulen in der Erzdiözese von Indianapolis und im Bistum Evansville.

Aufgeschrieben von Ferdinand Ferber im Mai 2017