Josef Loag

Wen wählt der westfälische Landwirt?
Die Antwort kann nur lauten. Seinen Berufskollegen.
Josef Loag aus Goesmannshof bei Allagen.
Mitglied des westfälischen Provinzialstags und des Kreistages von Arnsberg

Mit diesen griffigen Schlagzeilen beginnt ein Wahlplakat zu den Wahlen 1925.

Das Plakat stellt aber dem umworbenen Wähler die Frage:
Wer ist Josef Loag?

Wer war dieser Josef Loag?

Das damalige Wahlplakat gibt auf diese Frage eine nahezu vollständige Antwort. Etwas was in den heutigen postfaktischen Zeiten gepaart mit sogenannten alternativer Fakten äußerst ungewöhnlich anmutet.

Bernard Josef Loag vom Goesmannshof zu Allagen/ Westendorf

wurde am Mittwoch den 01.06.1870 auf dem Goesmannshof zu Allagen/ Westendorf als erstes Kind und damit ältester Sohn und Erbe des Landwirts Heinrich Bendeler gen. Loag und dessen Ehefrau Francisca Josephine Elisabeth ger. Lisette Gröblinghof gen. Goesmann geboren.

Heinrich Bendeler gen. Loag aus Overhagen Hellinghausen, der sich später nur noch Loag nannte,  hatte im Jahre 1869 auf den Goesmannshof eingeheiratet, nachdem sich seine Schwester Lisette bereits im Jahre 1856 auf den Nachbarhof Brass gen. Barnhusen, heute Franz Haarhoff, verheiratet hatte. Heinrich Loag und seine Frau Lisette bekamen in den folgenden Jahren acht gemeinsame Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten.

Der ehemalige Goesmannshof zu Westendorf

Heinrich Loag, ein sehr reger und erfolgreicher Geschäftsmann, kaufte den Luigshof in Niederbergheim, den heutigen Loagshof.

Die junge Familie des Heinrich Loag verlegte in den Folgejahren ihren Lebensort von Westendorf nach Niederbergheim. Im Jahre 1878 wurde die Tochter Elisabeth als erstes Kind in Niederbergheim geboren, welche später die Ehefrau des Heinrich Großkurth wurde . Der Goesmannshof in Westendorf wurde verpachtet. Lisette Loag ist in Niederbergheim  nach der Geburt des achten Kindes im Jahre 1884 verstorben.

Der Luigshof zu Niederbergheim, der spätere Loagshof

Josef Loag, der älteste Sohn und Erbe des Goesmannshof, hatte mittlerweile die Schule absolviert und besuchte später das Gymnasium in Warburg. Er war befreundet mit einer jungen Dame, die er in Niederbergheim im Hause Loag seinem Vater als seine Verlobte vorstellte. Es war Sofia Hoff aus Grevenstein. Aus dieser Freundschaft zum Sohn Loag entwickelte sich jedoch eine Beziehung zum Vater Loag, so dass im Jahre 1887 Heinrich Loag ein zweitesmal heiratete und zwar die 21-jährige Sofia Hoff aus Grevenstein. Ein Umstand der den jungen Josef sicherlich maßgebend geprägt haben dürfte, wenn man seinen weiteren Lebensweg betrachtet. Josef Loag wurden in den Folgejahren mit sechs weiteren Geschwistern gesegnet, von denen drei bereits in den ersten Lebensjahren verstarben.

Der Lebensweg des Josef Loag führt ihn nach seiner schulischen und landwirtschaftlichen Ausbildung zunächst nach Soest, wo er als sogenannter einjähriger freiwilliger Artillerist seinen Millitärdienst absolviert.

Tausche Niederbergheim gegen die Südsee

In seinen Lebenserinnerungen, die er Ende der 1930er Jahre niederschrieb, findet man als einführende Passage:

„Ich war kaum 23 Jahre alt als ich in dem wöchentlich erscheinenden Blatt des Berliner Vereins für landwirtschaftliche Berufe die Anzeige las“,
„.. für ein überseeisches Unternehmen werden Landwirte im Alter von 23 bis 27 Jahren gesucht ..“.

Dieser Aufruf hat ihn magisch gefesselt. Genannt war die Anschrift der Neu-Guinea-Compagnie in Berlin. Josef lieh sich die Kutsche des Vaters, fährt unverzüglich nach Soest und von dort per Eisenbahn nach Berlin. Es kommt noch am selben Tag zu Verhandlungen und schließlich zur Vertragsunterzeichnung. Die vereinbarte ansehnliche Jahresentlohnung von 3600 Reichsmark entsprach in etwa der Pachteinnahme des Goesmannshofes zu Westendorf.

Bei der Neu-Guinea-Compagnie handelt es sich um eine durch Bankiers und Großfinanziers im Jahre 1882 in Berlin als Neu-Gguinea-Konsortium gegründete Gesellschaft. Das wirtschaftliche Ziel ist der Erwerb von Kolonialbesitzungen in der Südsee insbesondere in Neu-Guinea, dem Bismark-Archipel und den Salomonen.

Josef wird als Assistent verpflichhtet, um Tabakpflanzungen auf den Kompanie-Plantagen in der Astrolabe-Bay im Nordwesten der Insel zu überwachen.

Astrolabe-Bay, eine große Meeresbucht in der Bismark-See vor der Nordküste Papua-Neu-Guineas und ein natürlicher Hafen für die Region Madang

Die Lehren von Professor Joseph Schüngel, Gymnasium zu Warburg

Auf der Rückreise von Berlin nach Soest kommen Josef bereits erhebliche Bedenken angesichts der eingegangenen Verpflichtungen. Er erinnert sich plötzlich an die Ausführungen seines Gymnaiallehrers Professor Joseph Schüngel, von den Schülern Fike genannt, der im Rahmen eines Vortrags folgende Weisheiten äußerte:

„…. Die Papuas sind nach den Azteken die dümmsten Menschen der Welt. Sie können dafür nichts, denn sie haben wie diese eine fliehende Stirn und daher weniger Gehirn. Die klügsten unter ihnen können bis fünf zählen lernen. Sie können nur tanzend und singend arbeiten. Sie tragen keine menschliche Kleidung und viele von ihnen kennen nicht einmal das Feuer. Und alle sind dem Kaninalismus ergäben ….“.

Und das war nun das Ziel seiner Reise und seine weitere Zukunft.

Die Mahnungen von Fräulein Maria Rocholl, Lehrerin in Soest

Etwas spät in Soest angekommen kehrte er in sein, ihm aus seiner Militärzeit bekanntes Gasthaus ein, um am Folgetag nach Niederbergheim zu reisen. Er berichtete von seinen Absichten und stieß auch hier auf Skepsis. Man verwies ihn an eine ältere Lehrerin, Fräulein Maria Rocholl, deren Bruder August bis vor kurzem ebenfalls in Neu-Guines gewesen war.

Der in den Dienst der Neu-Guinea-Kompagnie zum zweitenmale eingetretene Landmesser August Rocholl, hatte sich Ende Februar 1893 zur Ostküste von Neu-Pommern begeben. Dieser Herr Rocholl stand Josef also nicht perönlich zur Verfügung.

Als Fräulein Rocholl von Josefs Absicht erfuhr, setzte sie sich ihm gegenüber und hielt ihm folgende Anspache:

„Lieber junger Freund, ich muss ihnen dringend abraten, in dieses Land zu gehen, denn es hat ein mörderisches Klima. Alle Europäer werden von der Malariaseuche befallen und die nicht als ihr Opfer drüben bleiben, müssen krank nach Hause geschickt werden. Aber wenn sie auch in der Heimat genesen sind, sind sie doch für Deutschland verloren. Denn sie halten das Leben hier nicht aus und gehen wieder in die Fremde. Auch mein Bruder ist jetzt wieder in Südamerika. Also wenn sie hinüber gehen, sind sie für die Heimat und Deutschland verloren. Und das würde ich bedauern und ihnen davon abraten ….“

Josefs ungutes Gefühl hat sich wohl auch gerade wegen der im Hause Rocholl vorgefundenen Speere, Pfeile und Raritäten aus der Fremde nicht verändert. Er bleibt weiterhin bei seinem einmal gefassten Entschluss.

12 Jahre in deutsch Neu-Guinea

Nach einer vierzehtägigen Vorbereitunsgphase geht das Abenteuer schließlich los. Josef nimmt Abschied von seiner Familie und seiner bisherigen Heimat und reist nach Berlin. Dort tritt er mit zwei weiteren jungen Landwirten sowie zwei Kaufleuten die ungewisse Reise an. Der Weg führt zunächst an das ihm unbekannte Mittelmeer, wo von Genua aus die Fahrt per Schiff durch den Sueskanal, über Aden nach Ceylon.und Singapur geht. Auf allen Stationen der Reise werden die jungen Leute vor den zu erwartenden Umständen gewarnt, ohne Erfolg zu haben. Nach einer weiteren zweiwöchigen Reisezeit kommt die Gruppe in Friedrich-Wilhelmshafen der Haupstadt der Provinz Madang an der Nordküste von Papua-Neu-Guinea an, wo sie schon erwartet wird.

Schutzbrief aus dem Jahre 1897 des Josef Loag

Josefs erster Einsatzort ist Stephansort, wo eine Tochtergesellschaft der Neu-Guinea-Companie, die Astralaba-Companie, große Tabakplantagen betreibt. Ein älterer und erfahrener Pflanzer weist ihn in seine Aufgaben ein und weist wiederum auf den Ausbruch der Malariakrankheit hin, der mit sicherer Regelmäßigkeit spätesten nach Vierzehntagen des Aufenthaltes erfolgt. Josef fühlte sich gesund, stark und gewappnet. Am fünfzehnten Aufenthaltstag wird er jedoch von starken Fieberattacken befallen. Nach speziellen Gaben von Chinien und unter Anleitung der Kollegen und des örtlichen Arztes kann er die von nun an regelmäßig auftretenden Fieberanfälle in den Griff bekommen.

Arbeitseinsatz in Stephansort Neu-Guinea

Nun folgen Jahre der Arbeit in den Tabakplantagen der Gesellschaft. Zusammen mit den einheimischen, melanesischen und chinenschen Mitarbeiten werden Wälder gerodet, Wege gebaut und Pflanzungen angelegt, gepflegt und abgeerntet. Seine Aufgabe besteht darüber hinaus im Haus- und Scheunenbau.

Er lebt, wie alle Euröpäer, in einem sogenannten Europäerhaus. Wobei eine Maid die Hausarbeit und ein chinesischer Koch den Haushalt bestreiten.

Vor dem Europäerhaus, Josef Loag (oben Mitte) mit Angestellten und Einheimischen

Josef Loag beschreibt in seinen Aufzeichnungen das Leben und Arbeitem aber auch die männerdominierte Freizeitgestaltung wärend der langen Jahre seines Aufenthaltes dort. Durchgängig ist jedoch die Bewunderung für das Land und die Bewohner und deren Fleiß spürbar. Jegliche kolloniale Überheblichkeit bleibt aus.
Er fühlte sich dort erkennbar froh und wohl.

Administrator in Friedrich-Wilhelmshafen

Nach mehreren Jahren seines Aufenthaltes in Stephansort muß dort die Tabakwirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden.

Josef siedelt um nach Friedrich-Wilhelmmshafen, wo er die Tabakplantagen von Jomba übernimmt, dort wo später Kokospalmen und Kautschuk angebaut werden. Für Kaiserwilhelmlsland ist Friedrich-Wilhelmshafen der Regierungsort und auch Sitz der Administation der Neu-Guinea-Companie. Hier wird Josef 1899 schließlich als Administartor eingesetzt. Zu dieser Administarion gehört auch die Verfügbarkeut des Dampfschiffes Siar, welches vorwiegend zur Anwerbung einheimischer Mitarbeiter zur Verfügung steht Für Josef bedeutet dieses jedoch zusätzlich eine gewisse Beweglichkeit und Möglichkeit der Landeserkundung.

Professor Robert Koch

Eine für Josef Loag einprägsame Episode seines abenteuerlichen Lebens ist die Begleitung eines großen Wissenschaftlers auf dessen mehrmonatiger Reise.

Der Arzt Robert Koch forscht 1899/1900 zwei Monate lang in Stephansort und nutzt das Dampfschiff der Neu-Guinea-Companie. Josef Loag begleitet diese Fahrten und assistiert dem berühmten Arzt bei seiner Entnahme von Blutproben, insbesonder von den Kindern des Landes. Er berichtet später voller Stolz, dass die Skepsis der Bevölkerung durch seine Landeskenntnis und auch persönliche Freundschaften erheblich abgebaut werden konnte.

Josef Loag u.a. mit Robert Koch vor dem Stationshasue Stephansort (vgl. Samoa, Ernst von Hesse-Wartegg, S. 66)

Tamede, dem Loag seiner

Es geht von Zeit zu Zeit mit dem eigenen Schiff in das Küstenumland, um einheimische Arbeitskräfte anzuwerben. Bei einer dieser Anwerbetouren im Hyop-Golf weisen Josef einige Schiffleute auf einen Schwarzen hin, der unbedingt noch mitkommen will. Dieser versucht schwimmend das Schiff zu erreichen, was schwierig ist, da er von Stammesmitgliedern in Kanus verfolgt wird. Als die Bootsleute den Schwimmer an Deck ziehen, steht ihnen ein elf- bis zwölfjähriger Junge gegenüber. Dieser ist dem Schiff nachgeschwommen, da sein Onkel bereits unter den Rekrutierten ist. Nachdem der Onkel zustimmt, wird dieser Junge mit auf die Reise genommen.

Papuaner im Kanoe

Tamede, so ist sein Name, stellt sich als ein sehr intelligenter Kopf heraus. Josef Loag berichtet in seiner Niederschrift über eine seiner nächsten Reisen in dei Heimat, zu der er den jungen Tamede mitnimmt. Er schickt ihn in Niederbergheim in die Schule, so dass er bereits in kurzer Zeit über genügende Sprachkenntnisse verfügt, um sich in dem fernen Europa verständlich zu machen. Nach seiner Rückkehr nach Neu-Guinea wird Tamede zum Stammesführer. Später wird Josef berichtet, dass nach Einzug der Engländer Tamede über Australien nach Mittelamerika gelangt ist. Mexikoreisende hatten ihn Jahre später als Hotelportier angsprochen und sich über seine Deutschkenntnisse gewundert. Tamede erklärte voller Stolz, dass sein früherer Herr ihn mit nach Niederbergheim genommen, dort in die Schule gesetzt, und er dort Deutsch gelernt habe. Josef Loag beschreibt in seinen Lebenserinnerungen eine weitere kleine Episode, nämlich, dass im Zuge eines Aufenthaltes in Niederbergheim ein Pferderennen in Hüsten stattfinden sollte. Er fährt mit der Kutsche seines Vaters und dem jungen Gast zum besagten Rennen. Nach Ende der Veranstaltung bzw. bei der Heimfahrt stockt die Kutsche in der Menschenmenge.und Josef hört ein kurzes Gespräch zweier Besuscher:

“ Na, wer ist das denn? Der hat einen Schwarzen auf dem Bock.“

Da Tamede in seinem besten Zwirn unterwegs ist, dh. in einem schnieken Matrosenanzug auf dem Kutschbock neben dem Kutscher hockt, erweckt dieses Bild wohl eine gewisse Aufmerksamkeit unter den Besuchern.

Loag seiner aus Niederbergheim

„Das ist Loag seiner aus Niederbergheim, der Halbschläger, der da hinten bei den Schwarzen in Afrika ist.“ Josef schreibt hierzu:

Tamede in seinem besten Zwirn auf dem Kutschbock

„Hierdurch hörte ich einmal genau, wie der Volksmund das richtig aussprach, wie man über mich dachte.“

Der Ruf des Vaters, kurze Zeit in Niederbergheim

Ende 1905 kehrt Josef Loag aus Neu-Guninea in die Heimat zurück. Welche konkreten Umstände Josef Loag bewogen haben aus diesen paradiesischen Verhältnissen in die Heimat zurück zu kehren, ist nicht ganz klar.

Er schreibt lediglich selbst:

„Bei meiner Abreise aus Neu-Guinea hatte ich dort alle Brücken hinter mir gelassen, d.h. alle meine Beziehungen zur Neu-Gunea-Companie vollständig gelöst. Ich wollte ja meine Tropentätigkeit aufgeben und dem Ruf meines Vaters folgen in seinen Geschäftsbetrieb einzutreten. So groß und interessant der Betrieb auch war, fand ich darin keine selbstständige Stellung und daher keine Befriedigung.“

Josefs Vater, Heinrich Loag, verpachtet 1893 den Goesmannshof für 12 Jahre an Sörries gen. Trockel. Durch den Kauf des Luigshof im Jahre 1868 betrieb er eine sehr umfangreiche Land- und Forstwirtschaft. Schon bald begann er mit der Anlage von Steinbrüchen auf seinem Grundbesitz in Allagen am Krebsufer und in Niederbergheim am Nordhang des Hasenfangs, was ihm den Beinamen Grauwacken Heinrich einbrachte. Eine Seilbahn förderte den Abraum vom Krebsufer über die Möhne bis kurz vor die Möhnestraße.

Heinrich Loag (1840-1907)
Sophia Loag geb. Hoff (1866-1913)

Der Bau der Kirche zu Allagen wird mit dem Steinmaterial aus dem Krebsufer realisiert. Um die Steine zur Kundschaft transportieren zu können, hatte Heinrich Loag schwere Wagen angeschafft, die von Pferden gezogen wurden. In den Stallungen standen stets rund 20 Pferde mit Nachzucht. Das Königlich Westfälische Landgestüt in Warendorf richtete im Jahre 1890 in Niederbergheim eine Deckstation ein. Heinrich Loag hatte offensichtlich großes unternehmerisches Talent, denn er gründete an der Bördestraße einen Dampfwalzenbetrieb mit Schmiede für die anfallenden Reparaturarbeiten. Die Dampfwalzen kamen beim Straßenbau in Westfalen, im Rheinland und im Raum Berlin zum Einsatz. Ein Dampfwalzenzug mit Wohn- , Kohlen- , Wasser- und Wasserpumpenwagen erreichte eine Länge von ca. 22 Metern. Er verfügte zeitweilig über sechs solcher Züge. Er betrieb zudem die Fleischwaren-, Wurstwaren- und Butterfabrik Loag & Co. zu Niederbergheim.

Erweiterung der Westf. Wurst- und Fleischwarenfabrik zu Niederbergheim um eine Anlage zur Fleischkonservenherstellung. Bericht vom 14.10.1905 im Patriot.

Josef Loag versucht sich in diesem väterlichen Umfeld zu engagieren, jedoch ohne das ihm wichtige Herzblut.

Der Sammler in der Südsee

Im Laufe seiner Auslandsaufenthalte hat Josef Loag eine Fülle von Raritäten aus China, Indien. Japan und natürlich Neu-Guinea zusammengetragen. Zu Beginn des Jahres 1906 beabsichtigt er nun diese Exponate als Sammlung an ein Museum zu geben. Zunächst ist Dortmund im Gespräch. Eine umfassende Akte der Verhandlungen mit der Stadt Warstein gibt Aufschluss über den Umfang seines Museums, das er per Vertrag mit der Stadt Warstein unter der Bezeichnung -Museum-Loag- nach dort gibt. Man muss hierzu wissen, dass zu dieser Zeit die kolonialen Aktivitäten einen hohen Stellenwert haben und das Interesse an Übersee überaus groß ist. So wird für eine befristet Ausstellung bei der Deutschen Kolonialgesellschatf Abteilung Lippstadt intensiv mit der Stadt Warstein verhandelt. Diese leistet eine Versicherungssumme von 6000 Mark für 5 Jahre.

Museum-Loag, heute Haus Dassel Allagen

9 Jahre in Kamerun

“ Musste so auch ich die Richtigkeit der mir nach Abschluss meines ersten Neu-Guineavertrages von Fräulein Rocholl in Soest gemachten Erklärung einsehen, dass die in der Südsee gewesenen für Deutschland verloren seien.“

Dieses notiert er in seinen Aufzeichnungen.

In der Hoffnung, dass sich die Dinge wiederholen lassen, begibt er sich unverzüglich nach Berlin, um seine Dienste der Neu-Guninea-Company erneut anzubieten. Jedoch kann man ihm dort keine Stellung präsentieren. Um seine Erfahrungen zu nutzen, schlägt man ihm vor, Reisen auf Companie-Kosten zu unternehmen und sein Wissen zu erweitern, dieses weiterzugeben und mittelfristig in ein ansprechendes Projekt einzusteigen.

Eher zufällig wird er an Wilhelm Mertens verwiesen, der den Aufbau neuer Plantagen im Kamerun projektiert und erfahrene Leute sucht. In der Hoffnung über eine solche, auf etwa zwei Jahre befristete Tätigkeit, doch noch nach Neu-Guinea in ähnliche Aufgaben gelangen zu können, sagt Josef zu und schließt einen entsprechenden Vertrag mit der gerade neugegründeten Kamerun-Kautschuk-Compagnie, Aktiengesellschaft ab.

Schon sehr bald reist er mit Mann und Material zu seiner neuen Wirkungsstätte. Urwald wurde gerodet, Pflanzungen angelegt, Ernten eingefahren, alles so wie ihm das geläufig ist. Es stellen sich die Erfolge ein.

„Der glänzende Erfolg verankerte mich in Kamerun so sehr, so dass ich meine Pläne für die Südsee vollständig aufgab.“

Bereits nach zwei Jahren, im Jahre 1908, wird er mit dem Aufbau neuer Plantagen zum Anbau von Ölpalmen und Bananen beauftragt. Den bisherigen Betrieb überläßt er seinen tüchtigen Assistenten.

Vor dem Europäerhaus, Kamerun

An dieser Stelle kommt ein gewisser Gustav Summermann ins Spiel, ebenfalls geboren in Allagen Niederbergheim, der in kolonialen Dokumenten als Pflanzungsdirektor der Kamerun-Kautschuk-Compagnie und Nachfolger eines Loag genannt wird. Dieser Gustav Summermann wurde am 01.11.1878 in Niederbergheim geboren. Er starb am 09.03.1956 in Arnsberg. Geburtshaus ist das Gasthaus Summermann, später Wrede und heute Niederbergheimer Hof. Das ist kein Zufall.

Kommen wir nun zurück zu Josef Loag. Es werden neue Urwaldflächen im Landesinneren erkundet, gerodet, bepflanzt und erste Ernten eingebracht.

Es folgen Jahre der weiteren Aufbautätigkeit. Er geht einen Vertrag mit der Firma Juergens & van den Bergh ein, eine der großen Margarinehersteller der damaligen Zeit, die an der Palmölgewinnung und Landgewinnung interessiert sind.

Aus dieser Zeit stammen auch die Geschäftsbeziehungen mit der in Niederbergheim gegründeten Butterfabrik, an der sein Vater Heinrich Loag Beteiligungen hält.

Josefs Vater Heinrich Loag ist am 22.11.1907 in Niederbergheim an einer Lungenentzündung verstorben.

Kurz nach seinem Tod wird von einem Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Lebensmittelfälschungen berichtet, in dem der Buttermeister und Betriebsleiter zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Es ging hierbei um ein Butterveredlungsverfahren, welches minderwertige Butter verarbeitet.

Mit seinen vielfältigen Aktivitäten hatte sich Heinrich Loag offensichtlich finanziell erheblich belastet. Anfang des Jahres 1908 übernimmt Josef Loag von der Wittwe Sofia Loag, um die Schuldenlast zu mindern, den Teil der Verpflichtungen, der auf dem Goesmannshof zu Westendorf liegt. Er wird somit rechtmäßiger Eigentümer des Goesmannshof, obwohl dieser Gutshof einstmals sein angestammtes Erbe werden sollte. Josef Loag verpachtet den Goesmannshof an seinen Bruder Ferdinand, der nun den Hof wieder in Familienhand bewirtschaftet. Josef geht zurück nach Kamerun.

Der Sammler in Afrika

Auch in der Zeit in Afrika ist die Sammelleidenschaft des Josef Loag ungebrochen. So finden sich der Akte -Museum-Loag- in Warstein eine größe Menge an Frachtsendungsbelegen aus diversen Ecken des afrikanischen Kontinents.

In regem Schriftverkehr überwacht er die Museumsaktivitäten in Warstein. Sein Bruder Ferdinand ist in diesen Dingen sein Generalbevollmächtigter.

Interssant ist an dieser Stelle ein Brief an den Rektor Kropp in Warstein. Er schreibt als Passagier des Dampfschiffs -Lucie Woermann-, welches am 21. Januar 1908 bei Las Palmas vor Anker liegt. Josef ist offensichtlich nach dem Tod des Vaters auf dem Weg nach Berlin bzw. nach Niederbergheim.

Nach Passagen zur Museumsorganisation schreibt er:

„.. ehe ich erst morgen in Tenneriffa für acht Tage aussteigen muss, um mich an den Übergang zum kalten Klima zu gewöhnen. In 15 Jahren 14 Winter unter Palmen verlebt zu haben, macht sich bei mir bemerkbar…“

Zusammenfassend kann man sagen,

Josefs Aktivitäten in Afrika laufen bis dahin wie geschmiert.

Der Anfang vom Ende

Die abrupte Wende in seinem Leben beschreibt er mit folgenden Worten:

„Bei Anbruch des Krieges, etwa Oktober 1914, wurde auch dieser Betrieb, wie so viele in den Kollonien stillgelegt. Hierdurch war auch meiner Pflanzertätigkeit ein unfreiwilliges Ende.gesetzt, Wie die vielen europäischen Angestellten, konnte auch ich mich mit knapper Not hinter die deutsche Frontlinie in das Hinterland von Kamerun retten.“

Der Versuch auf die Pflanzung im Gebiet der Engländer zurückzukehren, misslingt kläglich, so dass er sich als Zivilist den englischen Besatzern stellen muß. Zusammen mit weiteren deutschen Zivilgefangenen wird er nach England deportiert, Dort verbringt er ein Jahr in einem Gefangenenlager. Nur durch eine Gewalthungerkur, wie er es nennt, wird er freigelassen und erholte sich wieder.

Türkei und Anatolien

Vom deutschen auswärtigen Amt wird Josef nach seinem Freikommen an das türkische Landwirtschaftsministerium überwiesen. Er reist im Jannuar 1916 nach Konstantinopel. Seine eigenen Aufzeichnungen enden hier bzw. fehlen eventuell.

In der Familie Loag kann man jedoch berichten, dass er dort als Sachverständiger speziell zur Bekämpfung einer massiven Heuschreckenplage eingesetzt war. Es folgen zwei Jahre als Generalinspektor in Anatolien für die Wiederbelebung der Landwirtschaft in den kriegsverwüsteten Gebieten von Ost-Anatolien.

Josef Loag, deutsch-türkische Freundschaft

Bauer in Westendorf

Nach seiner Rückkehr nach Westendorf im Jahre 1918 baut er das alte Backs aus zu einem Wohnhaus, welches wie ein Museum anmutet und bis heute Villa Loag genannt wird. Den Goesmannshof hat in den Zwischenjahren sein Bruder Ferdinand bewirtschaftet, der tragischerweise im November 1918 an einer simplen Blinddarmentzündung verstorben ist. Er hinterläßt drei kleine Kinder, Hedwig drei Jahre, Josef zwei Jahre und Adelheid neun Monate alt Die Landwirtschaft wird nun von seinem ledigen Bruder Heinrich und der Wittwe Loag betrieben. Josef selbst adoptiert die drei Kinder seines Bruders. Die beiden Söhne von Adelheid Severing geb. Loag, sind heute Besitzer des ehemaligen Goesmannshof. Der Hof ist heute noch im Besitz eines der Söhne von Adelheid Loag.

Ehemaliges Backs auf dem Goesmannshof, Villa Loag

Josef Loag reist in den Folgejahren noch mehrere Male im Aufrag deutscher, englischer und niederländischer Gesellschaften nach Java und Kamerun. Seine umfassenden Erfahrungen und Fähigkeiten sind stets gefragt. Seine erste Kamerun-Reise, von insgesamt fünf nach dem Weltkrieg, absolviert er im Jahre 1925. Bei einigen dieser Reisen wird er von Freunden begleitet, so dass der Mythos um Josef Loag, der, der bei den Schwarzen war, lange Zeit präsent bleibt und dadurch auch erst zu einem Mythos wird.

Josef Loag mit Freunden in Westendorf

Er hatte jedoch trotz seiner besonderen Aura eine enge Verbindung zu seinen Hofarbeitern, obwohl er sehr zurückgezogen lebte.

So zeigt ihn eines seiner letzten Fotos als Hochzeitsgast bei der Trauung von Heinrich Weber gen. Schneiderwind und Theresia Schröder gen. Küpers, im November 1938. Hier ist seine Nichte und Stieftochter Adelheid Loag Trauzeugin. Heinrich Weber war lange Jahre ein fester Mitarbeiter auf dem Hofe Loag.

Josef Loag (1. Reihe, links) und Adelheid Loag (2. Reihe 2. v. links) bei der Hochzeitsfeier eines seiner längsten Mittarbeiter Heinrich Weber und Theresia Schröder im November 1938

Wie zu Anfang berichtet, engagierte sich Josef Loag durchaus politisch. Er war bereits 1921 als Mitglied der Deutschen Volkspartei Abgeordneter des westfälischen Provinzialstags und des Kreistags von Arnsberg.

Sein lokales Engagement galt dem Schützenverein Niederbergheim, der sein jährliches Vogelschießen auf der Obstweide auf dem Hofe Loag absolvierte. Josef war seit 1924 bis zu seinem Tod Ehrenoberst der Schützenbruderschaft Niederbergheim.

Bei einer seiner letzten Reisen hatte er einen aus seiner Sicht besonderen Stein entdeckt und diesen kurzerhand auf die Reise in seine Heimat verschifft. Der Stein, der mehrere Jahre unterwegs war, erreichte Westendorf jedoch erst nach seinem Tod, so dass die Familie durch das Aufstellen dieses Gedenksteins an der alten Vogelstange Josef Loag ein noch heute sichtbares Andenken bewahrt.

Ein Gedenkstein eigener Wahl

Westendorf ist doch nicht die Südsee

Ein in seiner Niederschrift zitiertes Gedicht beschreibt eindrucksvoll die Beweggründe seiner Reisetätigkeit und die tiefe Wehmut, die ihn seine letzten Lebensjahre begleitet hat.

O Heimat, Lieb und Elternhaus!
Was treibt uns immer neu hinaus?
Unrast will nicht genesen!
Die Südsee die Sirene ist,
Die der im Leben nie vergisst,
Der je dort froh gewesen.

Das Fräulein Rocholl hat wohl Recht behalten.
Die Lehren von Professor Schüngel waren schlichter Unsinn.

Bernard Josef Loag stirbt am Freitag den 22.09.1939 in einer Klinik in Bonn.

Die Malariakrankheit hat ihn bis in den Tod begleitet. Sogar über den Tod hinaus. Sein Sarg wird in der Grabstätte, aus übertriebener Vorsicht vor dieser Krankheit, eingemauert.

Wolfgang Severing und Ferdinand Ferber vor der Villa Loag in Allagen/ Westendorf

Dieser Beitrag soll die inzwischen verblasste Erinnerung an eine besondere Persönlichkeit Allagens etwas auffrischen. Dieser Meinung sind Ferdinand Ferber und Wolfgang Severing, dem es zu verdanken ist, dass Dokumente und mündliche Überlieferungen nicht verloren gehen.

Ferdinand Ferber, im März 2017