Däer Raimenmarkte

Fui goat op däern Raimenmarkte

Nach Erinnerungen von Theo Pankoke

In der Zeit des 19. bis Mitte des 20. Jahrhundert war für die Jugendlichen des Dorfes, wozu auch die Knechte und Mägde der örtlichen Bauern gehörten, außer Schützenfest, Erntedankfest, Tierschaufest oder Polterabend nicht viel los. Die Winterabende verbrachten sie in der Regel in der sogenannten Spinnstube.

An den warmen Sommerabenden aber traf man sich nach getaner Arbeit regelmäßig in der Mitte des Dorfes, es gab schließlich einiges zu diskutieren. Gelegentlich hatte ein neuer Knecht, der Wechsel fand immer im Herbst zu Michaeli statt, ein Akkordeon mitgebracht.

Die Mädchen übten Reigen und Volkstänze und die Knechte das Knallen ihrer Peitschen.

An den gedrechselten Schäften der Peitschen waren Lederriemen angebracht, welche jeweils am Ende mit einem Bindfaden aus Hanf verlängert waren, die für das eigentliche Knallen sorgten. Die Qualität der Riemen, die aus Rindsleder geschnitten wurden, war für das saubere und laute Knallen entscheidend, so dass diese Riemen und Fäden unter den Knechten rege getauscht und gehandelt wurden.

In dieser Zeit etablierte sich für den Dorfplatz in Westendorf die Bezeichnung Riemenmarkt.

Der geflügelte Satz war: „Wir gehen auf den Riemenmarkt“.

Fui goat op däern Raimenmarkte

Der Dorfplatz in Westendorf